Wie Flow ein Schlittenhund wurde
Hallo Nelly
Es gibt wohl kaum noch Situationen, vor denen mein treuer Flow zurückschrecken würde. Letzten Sommer konnte ich ihm trotz seiner festen Überzeugung, dass man Wasser höchstens trinken könne, das freiwillige Schwimmen beibringen.
Nachdem er sich zusehends an das Tragen von Packtaschen gewöhnt hatte, erfreute es ihn mehr und mehr, etwas an der Leine hinterher zu schleifen. Darum kaufte ich ihm ein Brustgeschirr für Schlittenhunde und fing an, mit einem Veloanhängerli zu üben. Nach einiger Überzeugungsarbeit und viel Geduld marschierte er schliesslich mit Stolz geschwellter Brust auf unseren Spaziergängen, das Wägeli ziehend, neben mir her. ( So mancher Fussgänger blieb erfreut stehen )
Immer stärker Wuchs meine Überzeugung, dass das was die nordischen Schlittenhunde leisten, im Kleinen auch mit einem Eurasier möglich sein müsste. Den ganzen Sommer übten wir mit dem Wägeli und steigerten stetig das Transportgewicht.
Diesen Januar war es dann tatsächlich soweit, mit einem selbst konstruierten Transportschlitten mit Regenfass für das Gepäck und einer kompletten Biwakausrüstung (es kamen ca. 30 kg zusammen) zogen wir los, um in einem Prätigauer Skigebiet nach Art der Hundeschlittenführer ein paar Tage im Schnee zu verbringen.

Erfolgreich ist es uns gelungen, drei Nächte lang, selbst bei heftigem Wind und Schneefall, mit Zelt und Schlafsäcken im Freien zu biwakieren. Flow hat sich im Zelt zu meinen Füssen eingerollt und friedlich geschlafen, als kenne er es nicht anders. Auch der viele Schnee und das kalte Wetter schienen ihn nicht im Mindesten zu beeindrucken. Wann immer er die Gelegenheit hatte wälzte er sich im Schnee und puderte sich die Nase, als ob er in der Arktis aufgewachsen wäre.

Nach unaufhörlichen Schneefällen verlagerten wir dann unser Basislager in eines der Berghäuser, von wo aus wir weitere vier Tage konsequent durch die Schneeflocken stöberten.
Im Berghaus avancierte Flow schnell zum Liebling des gesamten Servicepersonal, denn er wusste sich stets wie ein Gentleman zu benehmen. Innert Kürze waren wir auch bei allen Leuten als das Hundeschlittenteam bekannt.
Für die Schlussabfahrt ins Tal (Eine ca. 11 km lange Schlittelstrasse) konnte ich mich hinten auf die Schlittenkufen stellen und Flow mit Link- und Rechtskommandos mehr oder weniger auf Kurs dirigieren. Bergabwärts, vom Gewicht entlastet steigerte er selbständig das Tempo zu Trab und gegen Schluss sausten wir sogar im gestreckten Galopp dahin. Selbstverständlich habe ich stets darauf geachtet, dass der Schlitten nicht auflaufen oder zu sehr schieben kann, indem ich die Hacken in den Schnee presste oder absprang und den Schlitten durch das Fangseil bremste.
Da sich Flow in einer derart aussergewöhnlichen Situation hervorragend bewährt hat, ist es wohl müssig, zu erklären, dass er sich in allen Begleithundeeigenschaften hier in der menschlichen Gesellschaft vorbildlich benimmt. Kleine Kinder und behinderte Menschen geniessen ihm gegenüber eine unglaubliche Sonderstellung. Besonders kleine Kinder, welche schon voller Freude und Ungestüm auf ihn gestürzt haben, liess er mit einer Engelsgeduld gewähren und stellte deren "Welpenschutz" nie in Frage. Wenn wir zusammen ins Restaurant gehen, so ist er der vorbildlichste Gast.
Ein Eurasier mit diesen allerbesten Charaktereigenschaften. Mein Flow jedenfalls hat bei Dir Nelly, offenbar eine Kinderstube genossen, wie man sie sich nur wünschen kann.
Also mach bitte weiter so.
Flow und Marcel, alias Rookie
PS. Rookie nennen die Musher ( Hundeschlittenführer ) die blutigen Anfänger ihrer Zunft
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